Interview mit Athletiktrainer Richard Konstantin

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Mein Name ist Richard Konstantin und ich bin 25 Jahre jung. Ich bin in Pfeffenhausen im Raum Niederbayern aufgewachsen und aktuell Athletiktrainer und Reha-Coach beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf. Dort betreue ich die U15 und die U16 der Fortuna. Ich habe Sport- und Trainingswissenschaften studiert und habe mich dabei unter anderem auf die ideale Trainingssteuerung im Fußball spezialisiert. Im Juni 2019 habe ich zusammen mit zwei Kollegen das Start-Up MO5ES ins Leben gerufen.

ESP: Wie bist du zur Fortuna als Athletiktrainer gekommen?

Richard: Ich habe Tanja (Sportpsychologin) beim FC Ingolstadt 04 kennengelernt. Sie hat zuvor bei Fortuna Düsseldorf gearbeitet und den Kontakt zu Joel (Leiter für Athletik und Gesundheit) für mich hergestellt. Durch ein Skype-Meeting habe ich mich dann erstmals mit ihm in Verbindung gesetzt. Unvergessen dabei: Ich saß im Büro des Präsidenten, da mir versichert wurde, dass das Büro frei sei. Unter dem Gespräch merkte ich dann, dass dem nicht so war.

ESP: Wie sieht ein Arbeitstag eines Athletiktrainer in einem NLZ aus?

Richard: Ganz generell bin ich viel am kommunizieren – sei es mit den Head-Coaches oder der medizinischen Abteilung. Mit den Trainern bespreche ich die Trainingsplanung, mit den Medizinern über den Gesundheitszustand der Spieler. Dann dreht sich alles um die genaue Planung der Athletikeinheiten in der U15 und der U16 (auf und neben dem Platz) und dem Rehatraining (Ablauf: Arzt-Physio-Rehatrainer-Athletiktrainer-Mannschaft).

 Im praktischen Teil meines Tages geht es dann in die individuelle Betreuung der Spieler, denn man will ja schließlich an seinen Schwächen bzw. Stärken arbeiten. Grundsätzlich bin Ansprechpartner und Psychologe zugleich und das Bindeglied zwischen Head-Coach und den Jungs.

ESP: Wie sieht ein Tag für die Spieler aus?

Richard: Die Jungs haben in aller Regel bis 16 bzw. 17 Uhr Schule. Für Spieler, die schon früher frei haben, gibt es eine pädagogische Betreuung in Form von Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Freizeit. Da ist dann auch mal eine Runde Tischtennis dabei. Hier leistet die Fortuna in Form des pädagogischen Teams richtig gute Arbeit.

Um 17:30 bzw. 18 Uhr geht es direkt ins Training, ehe es danach mit dem Fahrdienst nach Hause geht. Um einen Wochenüberblick zu geben: Pro Woche gibt es vier Trainingseinheiten und ein Spiel am Wochenende.

ESP: Was bleibt bei den Spielern in deinen Augen auf der Strecke? Freizeit oder soziale Bindungen?

Richard: Natürlich fehlt ein wenig die Freizeit, ganz klar. Die Woche ist mit Schule und Fußball oft fest durch getaktet. Die freie Zeit wird dann zumeist zum Lernen und zum Abschalten genutzt. Einen klassischen Tagesablauf, den normale Schulkinder haben, kennen die Jungs gar nicht.  Davor habe ich großen Respekt! Natürlich können die Spieler ihren Traum leben und in einem Bundesliga-NLZ spielen, dennoch bleibt wenig Zeit, um sich persönlich zu entfalten. Da freuen sich die Jungs schon mal, wenn an einem Wochenende spielfrei ist, um mit der Familie einen Ausflug zu unternehmen.

ESP: Leistungsgefälle innerhalb einer Mannschaft in dieser Altersstufe noch spürbar?

 

Richard: Man merkt, dass alle Spieler eine gute Grundausbildung genossen haben. Jedoch gibt es schon Unterschiede im technisch-taktischen Bereich, vor allem dann, wenn erhöhter Gegner- und/oder Zeitdruck besteht. Zudem gibt es auch einige Auffälligkeiten im athletischen Bereich, v. a. Schnelligkeit. Die größten Unterschiede existieren in den physischen Voraussetzungen. Das biologische Alter spielt eine große Rolle.

ESP: Welche Rolle nimmt die taktische Ausrichtung in diesem Alter ein? Oder werden hier noch primär Spiele gewonnen, da man schlichtweg besser ist?

Richard: Da die Trainer diesem taktischen Bereich immer mehr Bedeutung zumessen, nimmt das automatisch auch mehr Einfluss auf den Ausgang des Spiels. Das kann sich aber auch in beide Richtungen entwickeln. Heißt: Es werden mit Sicherheit auch Spiele verloren, weil zu komplexe taktische Mittel angewandt werden.

ESP: In welcher Region werden die Spieler gesichtet?

Richard: Für Fortuna Düsseldorf wird ausschließlich in NRW (über zwölf Millionen Einwohner) gesichtet. Wir haben kein Internat in Düsseldorf. Die Spieler wohnen alle zu Hause bei ihren Eltern, was aus meiner Sicht ein großer Vorteil ist. So verlieren sie nicht komplett den Bezug zu ihren Eltern.

ESP: Besteht hoher Leistungsdruck im Team?

Richard: Auf alle Fälle! Jeder will Spielpraxis sammeln, um sich für die kommende Saison zu empfehlen.

ESP: Bist Du eine Bezugsperson für die Jungs oder gibt es da speziell jemanden?

Richard: Ich persönlich sehe mich als eine Bezugsperson, ja. Ich bin als Athletiktrainer sowas wie das Bindeglied zwischen Head-Coach und Mannschaft. Mich fragen die Jungs nicht nur, wie sie sich im athletischen Bereich verbessern können, sondern auch private Themen wie die Schule werden angesprochen. Die Fortuna ist ein Verein, bei dem eine ganz besondere Beziehung zwischen Spielern und Trainern herrscht.

ESP: Was macht es so besonders als Athletiktrainer  im Jugendbereich zu arbeiten?

Richard: Das ist ganz einfach: Zu sehen, wie sich die Jungs nicht nur fußballerisch und physisch, sondern auch charakterlich entwickeln, das ist etwas, was ich liebe.

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ESP: Was waren deine bisher schönsten und emotionalsten Momente mit dem Team?

Richard: Da gab es bereits einige tolle Momente: Mit der U15 haben wir beim MTU-Cup in Friedrichshafen (Europas bestes Jugendturnier) in einer Gruppe mit Liverpool, Ajax Amsterdam und Liverpool gespielt. Wir haben es bis ins Viertelfinale geschafft, sind dort aber am FC Chelsea gescheitert. In der regulären Saison haben wir außerdem einen Last-Minute-Ausgleich bei Borussia Dortmund feiern dürfen. Ein Spieler verwandelte aus der eigenen Hälfte einen Freistoß direkt und dann brachen alle Dämme. Mit der U16 durfte ich in der Vorbereitungsphase an einem Ausflug nach Holland teilnehmen. 

Dort spielten wir gegen Ajax Amsterdam und besiegten sie. Ein unvergessenes Erlebnis für die Spieler, aber auch für uns Coaches. Dann war da noch der Freeway Cup in Lübbecke. Im Viertelfinale gab es das Derby gegen den 1. FC Köln. Nach einer 3:0-Führung kassierten wir binnen zwei Minuten drei Treffer und es stand 3:3. Am Ende gewannen wir nach Elfmeterschießen doch noch.

ESP: Wie groß ist das gesamte Trainerteam der U15?

Richard: Unser Staff besteht aus einem Head-Coach, zwei Co-Trainern, einem Athletiktrainer & Reha-Coach (das bin in dem Fall ich), einem Torwarttrainer, einem Physio, einem Sportpsychologen, einem Teamkoordinator und einem Teambetreuer.

Lieber Richard, wir bedanken uns für deine Zeit und die interessanten Einblicke in deinen Arbeitsalltag. 

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